Fertigungstiefe in der IT

Die Unternehmen werden sich zunehmend von Teilen ihrer IT trennen und sie an Dienstleister übergeben. Die Reduzierung der Fertigungstiefe folgt jedoch meistens keiner gezielten Strategie, sondern ist einer Erhebung der Ardour Consulting zufolge eine logische Konsequenz der Outsourcing-Maßnahmen.

Für die nächsten Jahre sagen die meisten IT-Verantwortlichen voraus, dass sich die Wertschöpfung in der IT reduzieren wird. Zwei von fünf erwarten durchschnittlich eine deutlich sinkende Fertigungstiefe in den IT-Organisationen, ein weiteres Viertel geht von einer leichten Verringerung aus. Demgegenüber gehen lediglich 13 Prozent der Unternehmen davon aus, dass die internen IT-Aufgaben anwachsen werden.

Welche Entwicklung erwarten Sie generell bei der IT-Fertigungstiefe für die nächsten fünf Jahre? Sie wird voraussichtlich…

Quelle: Ardour (n=122 Unternehmen über 50 Mio. Euro Umsatz)
Wie positioniert sich Ihr Unternehmen in Sachen Reduzierung der IT-Fertigungstiefe?

Quelle: Ardour (n=122 Unternehmen über 50 Mio. Euro Umsatz)

Bezogen auf den Einzelfall, gehört eine Reduzierung der Komplexität trotzdem nicht typischerweise zu den Kernstrategien der Firmen. Sie wird nur in jedem dritten Fall als explizite Zielsetzung formuliert, während 46 Prozent der über 120 befragten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. Euro für ihren Verantwortungsbereich die sinkende IT-Fertigungstiefe als Folge der eigenen Outsourcing- bzw. Cloud-Initiativen bewerten.

Nur 7 Prozent wollen sich gegen diesen Trend entwickeln und geben an, den IT-Betrieb inhouse in den nächsten fünf Jahren sogar ausbauen zu wollen. Heute schauen die Unternehmen differenzierter auf ihre eigene IT-Wertschöpfung. Unternehmenskritische IT-Aufgaben werden wieder herein geholt, während andere, meist eher technische IT-Aufgaben konsequent ausgelagert werden.

Dabei herrscht heute schon eine relativ große Einigkeit in der Frage nach dem Nutzen einer geringeren Fertigungstiefe. Für fast zwei Drittel der befragten IT-Manager entstehen laut der Studie dadurch Freiräume, die sie für eine stärkere Business-Ausrichtung nutzen möchten.

Auch eine Befreiung von Aufgaben abseits der Kernkompetenzen oder eine Qualitätsverbesserung in der IT gehören zu den meist genannten Nutzeneffekten. Hinzu kommt in etwa jedem zweiten Fall die Erwartung, über weniger komplexe Verhältnisse in der IT positive wirtschaftliche Effekte erzielen und zu einer größeren „Atmungsfähigkeit“ (Anpassung von Supply an den Demand) gelangen zu können.

Wie bewerten Sie die Nutzenaspekte einer geringeren Fertigungstiefe?

Quelle: Ardour (n=122 Unternehmen über 50 Mio. Euro Umsatz; Mehrfachnennungen möglich)
Welche Nachteile verbinden Sie damit?

Quelle: Ardour (n=122 Unternehmen über 50 Mio. Euro Umsatz; Mehrfachnennungen möglich)

Es sind in den Augen der Unternehmen damit aber auch einige Nachteile verbunden. So vermerken 64 Prozent kritisch, dass sie im Zuge der geringeren Fertigungstiefe aufgrund der Auslagerungen von IT-Aufgaben die Verantwortung für Leistungen Dritter übernehmen müssen.

Den Verantwortlichen ist bewusst, dass sie für schlankere, interne IT-Strukturen den Preis einer höheren Abhängigkeit von Providern zu zahlen haben. Hinzu kommt für 60 Prozent die Befürchtung, dass sich bei einer weiteren Verringerung der internen IT weniger flexibel auf die Bedürfnisse der Business-Abteilungen reagieren lässt.

Zweifellos führt der verstärkte Einsatz externer Ressourcen zu einer Veränderung bei den Anforderungen und Skills. Es bedarf zunehmend spezieller Führungs- und Controllingqualitäten, über die sichergestellt wird, dass sich die Providerbeziehungen nicht bremsend auf die Entwicklung im Business auswirken, sondern im Gegenteil wirkungsvolle Impulse setzen. In der weiteren Zukunft ist es absehbar, dass die Unternehmen die Probleme in den Griff bekämen, schließlich haben andere Branchen wie etwa die Automobilindustrie schon lange eine enge Verflechtung mit Lieferanten etabliert. Erfolgskritisch wird sein, eine langfristige, vertrauensvolle, aber dennoch leistungsfähige Kunden-Lieferanten-Beziehung aufzubauen und (auch über Krisen und Konflikte hinweg) zu erhalten. In der Phase des Wandels werden wahrscheinlich viele Unternehmen jedoch keinen reibungslosen Übergang vollziehen können, weil es ihnen noch an Erfahrungen und Organisationsressourcen für den Umgang mit vielfältigen Auslagerungsprojekten fehlt. Diese Erfahrungen müssen gesammelt und Strukturen aufgebaut werden, damit eine Reduzierung der Fertigungstiefe durch ein erweitertes Outsourcing nicht zu lauten Begleitgeräuschen führt. Aber eine an den Realitäten ausgerichtete Sourcing-Strategie wird schon alleine vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland und des sich verschärfenden Fachkräftemangels unabdingbar sein.